COVID-19-Impfung von Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch

COVID-19-Impfung von Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch

COVID-19-Impfung von Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch 150 150 Praxis für Fertilität - Kinderwunsch- und EndometrioseZentrum Berlin

DGGG-Stellungnahme Februar 2021

Die führenden deutschen Fachgesellschaften (DGGG, BLFR, DBBEF, DGPGM, DGPM, DGRM, URZ, DVR, BVF) haben eine Stellungnahme zum aktuellen Stand der Forschung bei SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19 in der Schwangerschaft sowie COVID-19-Impfungen von Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch veröffentlicht.


 

Die wichtigsten Aussagen hier in Kürze:

1. SARS-CoV-2-Infektionund COVID-19 in der Schwangerschaft:

  • Schwangere Frauen und Wöchnerinnen mit COVID-19-Infektion zeigen im Vergleich mit nicht-schwangeren Frauen seltener Symptome, haben allerdings häufiger schwere Verläufe mit Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Versorgung und Beatmung.
  • Vorerkrankungen, mütterliches Alter über 35 und Adipositas stellen Risikofaktoren für einen schweren Infektionsverlauf dar.
  • Schwangere Frauen mit COVID-19-Infektion weisen eine höhere Frühgeburtsrate im Vergleich zu Müttern ohne Erkrankung in der Schwangerschaft auf.
  • Bei altersentsprechend niedriger Gesamt-Mortalität ist die Sterblichkeit von Schwangeren mit COVID-19 jedoch deutlich erhöht.
  • Eine mögliche prä- und perinatale Übertragung von der Mutter auf das Kind wird in einigen Fallberichten beschrieben. Neonatale Infektionen sind selten symptomatisch und die Infektionsrate ist nicht höher, wenn das Kind vaginal geboren, gestillt wird oder bei der Mutter verbleibt.
  • Durch Impf-Immunisierung gebildete Antikörper stellen nach Sezernierung in die Muttermilch einen potentiellen Infektionsschutz des Säuglings da.

2. COVID-Impfung

  • Es gibt nur sehr wenige Daten zur Anwendung von mRNA-Impfstoffen und zu COVID-19-Impfungen in der Schwangerschaft. Tierexperimentelle Untersuchungen des Impfstoffherstellers Moderne berichteten keinen negativen Effekt auf die weibliche Fertilität, die embryonale/ fetale oder die nachgeburtliche Entwicklung. Moderna und Pfizer/ BioNTech erheben zudem Beobachtungsdaten von zufällig geimpften Schwangeren. Bisher wurden keine Sicherheitsbedenken gemeldet. Ergebnisse zum Schwangerschaftsoutcome liegen jedoch noch nicht vor.
  • Spezifische Risiken durch Tot-Impfstoffe sind in der Schwangerschaft sind nicht bekannt.
  • Tierexperimentelle Daten zeigen, dass mRNA maximal für 72 Stunden an der Einstichstelle und in den ableitenden Lymphknoten zu finden ist. Das Risiko eines Einbaus in das zelleigene Genom ist nicht plausibel.
  • Der Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion für die schwangere Frau ist mit dem gleichen hohen Wirkungsgrad der Impfung anzunehmen, wie dies in den bisherigen Studien für nicht-schwangere Frauen gezeigt werden konnte.
  • Es ist nicht zu erwarten, dass das Nebenwirkungsprofil einer Impfung gegen COVID-19 bei Schwangeren von Nicht-Schwangeren abweicht.

3. Empfehlung zur Frage der Impfung

  • Eine generelle Impfung aller Schwangeren wird derzeit von der STIKO nicht empfohlen. Jedoch ist die Impfung Schwangerer nach informierter Risikoabschätzung und gemeinsamer Entscheidungsfindung möglich. Insbesondere Schwangeren mit Vorerkrankungen, einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf oder hohem Expositionsrisiko gegenüber einer SARS-CoV-Infektion kann die Impfung nach Nutzen-Risiko-Abwägung und ausführlicher Aufklärung angeboten werden.
  • Für Frauen mit Kinderwunsch ist es wichtig, dass es bisher keine Hinweise darauf gibt, dass mRNA-Impfstoffe die Fertilität beeinträchtigen. Eine Schwangerschaftsverhütung nach Impfung ist nicht erforderliche. Eine „akzidentelle Impfung“ von Frauen bei noch unbekannter Schwangerschaft stellt keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch dar. Frauen, die nach der ersten Dosis des Impfstoffs schwanger werden sollten auch die zweite Dosis erhalten.