IVF in Berlin: Ablauf, Kosten und Erfolgschancen
Das Wichtigste in Kürze
Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) werden Eizellen nach einer Hormonbehandlung entnommen, im Labor befruchtet und als Embryo in die Gebärmutter übertragen. Vom Beginn der Stimulation bis zum Schwangerschaftstest vergehen etwa vier bis fünf Wochen.
In unserer Praxis lag die Schwangerschaftsrate 2024 bei 40,6 % pro Embryotransfer (Frischzyklus, Transfer am Tag 5, alle Altersgruppen, eigene Auswertung). Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen 50 % der Kosten für bis zu drei Versuche.
Was ist IVF und wann kommt sie infrage?
IVF bedeutet „Befruchtung im Glas“: Eizelle und Samenzelle treffen im Labor aufeinander statt im Eileiter. Bei der ICSI, einer Variante der IVF, wird ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle eingebracht.
Eine IVF kommt vor allem infrage bei:
- verschlossenen oder geschädigten Eileitern
- Endometriose, wenn eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg oder mit Insemination ausbleibt
- eingeschränkter Spermienqualität (dann meist als ICSI)
- mehreren erfolglosen Inseminationen
- ungeklärtem Kinderwunsch nach abgeschlossener Diagnostik
Ob IVF der richtige Weg ist, klären wir im Aufklärungsgespräch. Grundlage sind die Befunde beider Partner, etwa aus dem Ferti-Check.
Der Ablauf in sechs Schritten
- Aufklärungsgespräch und Behandlungsplan. Wir besprechen Befunde, Behandlungsweg, Risiken und Kosten. Gesetzlich Versicherte reichen den Behandlungsplan vor Beginn bei ihrer Krankenkasse ein.
- Hormonelle Stimulation. Sie spritzen sich etwa 7 bis 11 Tage lang selbst Hormone, damit mehrere Eizellen heranreifen. Ultraschall- und Blutkontrollen zeigen, wann die Eizellen reif sind. Eine abschließende Spritze löst die Reifung aus, etwa 36 bis 37 Stunden vor der Entnahme.
- Eizellentnahme (Follikelpunktion). In einer kurzen Narkose entnehmen wir die Eizellen mit einer feinen Nadel über die Scheide, unter Ultraschallsicht. Der Eingriff dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Am selben Tag gehen Sie in Begleitung nach Hause. Welche Schmerzmittel danach sicher sind, lesen Sie in unserem Artikel „Schmerzmittel nach Follikelpunktion“.
- Befruchtung und Embryokultur im Labor. Unser IVF-Labor befruchtet die Eizellen, als klassische IVF oder als ICSI. Die Embryonen entwickeln sich meist bis zum fünften Tag (Blastozyste). Nach dem Embryonenschutzgesetz dürfen nur so viele Embryonen kultiviert werden, wie für den geplanten Embryotransfer nötig sind. Überzählige Embryonen gezielt zu erzeugen, ist nicht erlaubt.
- Embryotransfer. Mit einem dünnen, weichen Katheter übertragen wir den Embryo in die Gebärmutter. Das ist in der Regel schmerzlos, eine Narkose ist nicht nötig. Für die Ultraschallsicht kommen Sie mit mäßig gefüllter Blase. Um Mehrlingsschwangerschaften zu vermeiden, raten wir dringend zur Übertragung eines einzigen Embryos (Single-Embryotransfer).
- Wartezeit und Schwangerschaftstest. Ab der Entnahme unterstützt Progesteron (meist als Vaginalzäpfchen oder -gel) die Gebärmutterschleimhaut. 10 bis 14 Tage nach dem Transfer zeigt ein Bluttest (hCG), ob eine Schwangerschaft eingetreten ist.
Überzählige Embryonen oder befruchtete Eizellen können eingefroren und später übertragen werden. Das spart eine erneute Stimulation.
Risiken und Nebenwirkungen
Die meisten Beschwerden sind vorübergehend: Spannungsgefühl im Bauch, Blähungen, Stimmungsschwankungen während der Stimulation und leichte Unterleibsschmerzen nach der Punktion.
Seltener, aber wichtig:
- Überstimulationssyndrom (OHSS): Die Eierstöcke reagieren zu stark. Moderne Protokolle senken dieses Risiko deutlich. Melden Sie sich sofort bei starkem Bauchumfang, Atemnot oder deutlich weniger Urin.
- Blutung oder Infektion nach der Punktion.
- Mehrlingsschwangerschaft, vor allem wenn mehr als ein Embryo übertragen wird.
- Eileiterschwangerschaft, ebenfalls selten.
Zahlen zur Häufigkeit nennen wir im Aufklärungsgespräch.
Erfolgschancen
In unserer Praxis lag die Schwangerschaftsrate 2024 bei 40,6 % pro Embryotransfer (Frischzyklus, Transfer am Tag 5, alle Altersgruppen, eigene Auswertung). Bei Frauen zwischen 30 und 33 Jahren waren es 42 % pro Embryotransfer. Grundlage ist die Auswertung unseres IVF-Labors für 2024.
Der wichtigste Einflussfaktor ist das Alter der Frau. Mit den Jahren steigt der Anteil der Eizellen mit Chromosomenfehlern, besonders ab Mitte 30 und deutlich ab 40. Solche Eizellen führen seltener zu einer Schwangerschaft und häufiger zu einer Fehlgeburt.
Eine Schwangerschaftsrate ist nicht dasselbe wie eine Geburtenrate. Bundesweite Zahlen nach Altersgruppen aus dem Deutschen IVF-Register finden Sie auf unserer Seite Erfolgsaussichten.
Mehr zu unseren Ergebnissen finden Sie auf der Seite Erfolgsaussichten.
Kosten und Kostenübernahme
Ein IVF-Zyklus kostet ohne Zuschuss etwa 2.000 – 3.500 €, eine ICSI etwa 3.500 – 6.500 €. Hinzu kommen jeweils Medikamente für etwa 1.000 – 1.500 €. Die genauen Beträge nennen wir Ihnen im Kostenvoranschlag. Eine Übersicht aller Preise finden Sie auf unserer Kostenseite.
| Versicherung | Was übernommen wird | Voraussetzungen |
|---|---|---|
| Gesetzliche Krankenkasse | 50 % der Kosten für bis zu drei Versuche (§ 27a SGB V); manche Kassen zahlen freiwillig mehr | verheiratet; nur eigene Ei- und Samenzellen; Frau 25 bis 39 Jahre, Mann 25 bis 49 Jahre; genehmigter Behandlungsplan vor Beginn; medizinische Indikation |
| Private Krankenversicherung | je nach Tarif, oft bis zu 100 % | meist zahlt die Versicherung der Person, bei der die Ursache liegt; Kostenzusage vorher einholen |
| Beihilfe | je nach Dienstherr | Regeln des jeweiligen Bundeslands oder Bundes |
| Selbstzahlende | keine Übernahme | z. B. unverheiratete Paare, Frauenpaare, Solo-Mütter, Behandlung mit Spendersamen |
Nicht von der Kasse übernommen werden unter anderem das Einfrieren und Lagern von Eizellen oder Embryonen im Rahmen einer IVF und eine Behandlung mit Spendersamen.
Förderung durch das Land Berlin: Das Berliner Förderprogramm für Kinderwunschbehandlungen wird derzeit nicht angeboten (Stand: Oktober 2026, Service Berlin).
IVF mit Spendersamen: für Frauenpaare und Solo-Mütter
Wir behandeln auch Frauenpaare und alleinstehende Frauen mit Spendersamen aus einer Samenbank. Oft beginnt die Behandlung mit einer Insemination. Eine IVF kommt infrage, wenn diese erfolglos bleibt oder medizinische Gründe vorliegen.
Die Kosten tragen Sie selbst. Rechtliche Fragen wie das Samenspenderregister und die Elternschaft besprechen wir mit Ihnen vorab. Mehr dazu auf unserer Seite zur Spendersamenbehandlung.
Häufige Fragen
Tut die Eizellentnahme weh?
Nein, die Punktion selbst spüren Sie nicht, weil sie in einer kurzen Narkose stattfindet. Danach sind leichte bis mäßige Unterleibsschmerzen für zwei bis drei Tage normal. Gängige Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen beeinträchtigen die Erfolgschancen nach heutigem Wissen nicht.
Kann ich während der IVF arbeiten?
Ja. Während der Stimulation arbeiten die meisten Frauen normal weiter, Kontrolltermine bieten wir über den ganzen Tag an. Für den Tag der Punktion planen Sie frei ein und dürfen danach nicht selbst Auto fahren. Nach dem Transfer ist keine Bettruhe nötig.
Erhöht die Hormonbehandlung das Krebsrisiko?
Große Studien zeigen kein erhöhtes Risiko für Brustkrebs und keinen gesicherten Anstieg von Eierstockkrebs. Für seltene Borderline-Tumoren des Eierstocks gibt es Hinweise auf ein leicht erhöhtes Risiko; die Datenlage dazu ist unsicher. Wir besprechen Ihre persönliche Vorgeschichte im Aufklärungsgespräch.
Quellen: van den Belt-Dusebout et al., JAMA 2016 (doi:10.1001/jama.2016.9389); Rizzuto et al., Cochrane Review 2019 (doi:10.1002/14651858.CD008215.pub3).
Zahlt die Krankenkasse auch, wenn wir nicht verheiratet sind?
Nein. Die gesetzliche Krankenkasse beteiligt sich nach § 27a SGB V nur bei verheirateten Paaren mit eigenen Ei- und Samenzellen. Private Versicherungen entscheiden nach ihrem Tarif. Fragen Sie dort vor Behandlungsbeginn schriftlich nach einer Kostenzusage.
Wann kann ich nach einem erfolglosen Versuch neu beginnen?
Nach einem Frischzyklus ist ein Pausenzyklus sinnvoll. Sind Embryonen eingefroren, ist ein Transfer ohne neue Stimulation möglich, nach einem erfolglosen Kryotransfer schon im folgenden Zyklus. Nach mehreren erfolglosen Transfers lohnt eine gezielte Abklärung, etwa beim Implantationsversagen.
Ihr nächster Schritt
Im ersten Gespräch klären wir, ob IVF für Sie der passende Weg ist und was Sie erwartet. Termin online buchen oder unverbindlich zum nächsten kommen.
Weiterlesen: Endometriose: Anzeichen · PCOS und Kinderwunsch · Glossar · Unser Team