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Jod und Kinderwunsch – warum das Spurenelement so wichtig ist

Dr. med. Wibke WilkeningSeptember 20265 min

Deutschland ist ein Jodmangelgebiet, das ist bei Frauen mit Kinderwunsch und in der Schwangerschaft besonders relevant. Jod ist ein essenzielles Spurenelement, das der Körper nicht selbst herstellen kann. Ohne ausreichend Jod kann die Schilddrüse keine Schilddrüsenhormone produzieren. Diese sind für eine gesunde Schwangerschaft unverzichtbar.

Warum ist Jod bei Kinderwunsch wichtig?

Schilddrüsenhormone (T3 und T4) werden aus Jod gebildet. Sie steuern den Stoffwechsel, die Zellteilung und die Entwicklung des Nervensystems. Bei Kinderwunsch und in der frühen Schwangerschaft sind sie besonders bedeutsam: Bis zur 12.–14. Schwangerschaftswoche kann der Fetus noch keine eigenen Schilddrüsenhormone produzieren und ist vollständig auf die Versorgung durch die Mutter angewiesen.

Ein Jodmangel der Mutter kann zu einer verzögerten Gehirnentwicklung des Kindes führen. Studien zeigen, dass Kinder von Müttern mit Jodmangel einen messbar niedrigeren Intelligenzquotienten haben können. Darüber hinaus sind Wachstumsverzögerungen, Hördefekte und motorische Entwicklungsstörungen als Folgen eines ausgeprägten Jodmangels dokumentiert (gesund-ins-leben.de, Thieme 2025).

Wie ist die Versorgungslage in Deutschland?

Laut DEGS-Studie (Robert Koch-Institut) lag die mediane Jodaufnahme bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter bei etwa 125 µg pro Tag, deutlich unterhalb der empfohlenen 200 µg für Erwachsene und der 230 µg für Schwangere (D-A-CH-Referenzwerte, gesund-ins-leben.de).

Schätzungsweise 35–45 % aller Frauen im gebärfähigen Alter nehmen zu wenig Jod zu sich. Jodsalz allein reicht in der Regel nicht aus, um den Bedarf zu decken.

Wie viel Jod wird empfohlen?

Empfehlung (D-A-CH):

  • Frauen außerhalb der Schwangerschaft: 200 µg/Tag
  • Schwangerschaft: 230 µg/Tag
  • Stillzeit: 260 µg/Tag

Da der Bedarf über die Ernährung allein oft nicht gedeckt werden kann, empfehlen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Initiative „Gesund ins Leben“ eine Supplementierung mit 100–150 µg Jodid pro Tag ab dem Zeitpunkt des Kinderwunsches – also bereits vor der Schwangerschaft (BfR 2022, Thieme 2025).

Jod und Hashimoto – kein Widerspruch

Eine häufige Unsicherheit: Darf ich Jod nehmen, wenn ich Hashimoto habe?

Die Antwort ist in den meisten Fällen ja. Bei Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Jodaufnahme in bedarfsgerechten Mengen, über Jodsalz, jodhaltige Lebensmittel und ein Supplement mit 100–150 µg/Tag, nach aktuellem Stand in aller Regel unproblematisch (gesund-ins-leben.de).

Eine Ausnahme besteht bei Morbus Basedow (Schilddrüsenüberfunktion durch Autoimmunerkrankung). Hier sollte auf Jodpräparate verzichtet werden. Ebenso bei bekannten autonomen Adenomen in einer Struma mit latenter Hyperthyreose (jodmangel.de).

Ein erhöhter TSH-Wert und eine Hashimoto-Thyreoiditis sind keine Kontraindikation für Jod, ganz im Gegenteil.

Worauf sollten Sie bei der Supplementierung achten?

  • Wählen Sie ein Präparat mit 100–150 µg Jodid, kein hochdosiertes Algen- oder Tangprodukt (Jodgehalt oft unkontrollierbar hoch, BfR-Warnung)
  • Viele Schwangerschaftsvitamine enthalten bereits Jod. Prüfen Sie den Jodgehalt auf der Packung, um Doppelsupplementierung zu vermeiden
  • Die Einnahme sollte idealerweise bereits bei Kinderwunsch beginnen, nicht erst wenn die Schwangerschaft festgestellt wird
  • Bei Schilddrüsenerkrankung: Rücksprache mit Ihrer Ärztin vor Beginn der Supplementierung

Fazit

Jod ist einer der wenigen Mikronährstoffe, bei denen die Empfehlung zur Supplementierung bereits vor der Schwangerschaft beginnt, das gilt auch für Folsäure. Wer in Deutschland lebt, einen Kinderwunsch hat und keine Schilddrüsenerkrankung mit Überfunktion hat, sollte täglich 100–150 µg Jodid supplementieren. Die Evidenz dafür ist klar, die Sicherheit bei diesen Mengen ist belegt.

Dr. med. Wibke Wilkening ist geschäftsführende Ärztin der Praxis für Fertilität – Kinderwunsch- und EndometrioseZentrum Berlin.

Quellen

  • BfR (2022): Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft. Bundesinstitut für Risikobewertung
  • Gesund ins Leben / aid infodienst: Supplement Jod – Handlungsempfehlungen. gesund-ins-leben.de
  • Thieme Connect (2025): Jodsupplementierung vor, während und nach der Schwangerschaft. DOI: 10.1055/a-2739-3580
  • D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
  • DEGS-Studie: Jodzufuhr bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter, Robert Koch-Institut
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